Freitag, 27. Juni 2014

Das Stillen und ich - Ein Erfahrungsbericht von Lotte-Mama

16 Monate Lotte, 16 Monate stillende Lotte-Mama.

Wenn ich mich offenbare und erzähle, dass das Lottchen noch Muttermilch bekommt, höre ich meist diese Aussage:"WAAS? Du stillst immer noch???"  ... begleitet von ungläubigen Blicken.
Ja, ich weiß, 16 Monate ein Kind zu stillen ist in unserer Kultur seltsam, ungewöhnlich, nicht wirklich akzeptiert. Auch ich war bis Lottes Geburt der Meinung: 6 Monate vollstillen wäre super, dann vielleicht maximal bis zum 12 Monaten noch abends stillen. Doch Lotte lehrte mich eines besseren... Wenn dein Kind nach der Brust verlang, warum sollte man dies verweigern?
Klar, die Mama muss sich dabei wohlfühlen.... ab und an wird es mir auch zu viel. Besonders wenn Lottchen nur an mir rumturnt. Doch die meiste Zeit ist es einfach die Nähe, die wir beide genießen.
Und ein klarer Vorteil: Lotte brauchte bisher noch kein Fläschchen mit Milchpulver! Nachts ist das besonders praktisch...

Damals im Krankenhaus klappte es erst so gar nicht mit dem Stillen. Alles war wund, Lottchen schrie hysterisch und ich fand keine Ruhe. Darum entschied ich mich auch schnell wieder nach Hause zu gehen, so dass wir bereits nach 3 Tagen das Krankenhaus verließen. Daheim angekommen und mit ganz toller Hilfe meiner Hebamme klappte es von Tag zu Tag besser. Leider hatte man mir in der Klinik Stillhütchen angedreht. Erst war ich auch ganz angetan von den Dingern, aber diese dem Kind wieder abzugewöhnen ist wirklich schwer!

Falls es bei euch mit dem Stillen nicht gleich klappt, dann wendet euch an eine Hebamme oder Stillberaterin, die können euch sicherlich unterstützen. Ihr könnt diese auch beim Abstillen kontaktieren, falls nötig.

Damals waren weitere nützliche Helferlein: Brustwarzencreme, Stilleinlagen, Still-Bustiers / BHs ... und Muttermilch! Diese wirkt nämlich ganz toll gegen wunde Stellen.

Still-Bustiers kann ich von Medela empfehlen, das Still-Top von Carriwell ist auch super. Still-BHs habe ich die einfachen von DM und Rossmann gekauft und welche von H&M.

Später hinzu kam eine Milchpumpe.Aufgrund der positiven Amazon Rezensionen entschied ich mich für eine von Lansinoh.

Zur Aufbewahrung und Einfrieren kauften wir MAM Becher und Muttermilchbeutel von Lansinoh.
Fläschchen gab es von Avent, da diese wohl die Saugverwirrung minimieren sollen.

Aufgrund des starken Saugreflexes von Lotte entschieden wir uns, dass sie einen Schnuller bekommt, hier entschieden wir uns für MAM (und sind da auch bis jetzt bei geblieben, auch bei den kleinsten Größen).


Dank MAM bekam ich dann auch hier eine neue Milchpumpe, die wesentlich effektiver abpumpt, da man hier den Druck erhöhen kann. Heute pumpe ich nur noch selten ab, hauptsächlich , wenn ich geschäftlich über nacht weg bin.

Von den Stilleinlagen habe ich mich mittlerweile verabschiedet, die Natur ist genial und mein Körper produziert just in time die Milch.

Zudem nutze ich nur noch selten Still-BHs, tagsüber auf der Arbeit benötige ich sie ja nicht wirklich.

Eine ganze Weile habe ich Still-Tee getrunken, bin dann auf Anis-Fenchel-Kümmel-Tee gewechselt (der ist wesentlich preiswerter und es ist das gleiche wie Still-Tee ;) Doch auch das ist nicht mehr notwendig. Ernährungstechnisch habe ich mich nie eingeschränkt, habe Kohl in allen Varianten gegessen, Kaffee getrunken .. Einzig auf Alkohol verzichte ich gänzlich. Und Ananas führte zu einem wunden Po (ich hatte es aber auch etwas übertrieben ... )

Heute gönne ich mir immer noch viel Süßigkeiten, weil das Stillen zerrt, zwar nicht wirklich etwas am Gewicht, aber ich merke, dass ich beim Stillen durstig werde und mein Körper nach Nahrung verlangt. Malzbier ist hier ein toller Energielieferant.

Heutzutage stille ich nicht mehr in der Öffentlichkeit, da Lotte es dort auch nicht verlangt. Zu Vollstillzeiten habe ich das aber ohne Probleme gemacht. Ein Still-Schal ist eine tolle Investition (oder ihr näht euch einfach einen breiten Baumwoll-Loop).

Vor der Schwangerschaft habe ich immer gedacht: Ich und stillen? Niemals! Und nun ... bin ich eine bekennende Lanzeitstillerin. Und fühle mich wohl damit. Okay, ich hadere mit meiner Oberweite extrem. Aus einem 80C-Körbchen, wurde D oder auch E ... Den Mann freut es, aber ich ziehe jedes Mal frustriert meine geliebten Blusen und Blazer aus, denn sie passen einfach nicht.

Und ja, ab und an "schäme" ich mich, dass Lotte noch gestillt werden will. Es ist nämlich wirklich so, dass entsetzte weitaufgerissene Augen mich anstarren, wenn ich dann doch mal zugebe, dass Lotte die gute Muttermilch noch bekommt.
Nun gut, ich scherze auch manchmal , dass Lottchen spätestens zum 18. Geburtstag abgestillt wird. 
Ich bin gespannt, wann es tatsächlich soweit sein wird. Solange wir uns wohlfühlen, genieße ich die Zeit einfach.

Und das Wohlfühlen ist meiner Meinung nach ein wichtiger Faktor, ich kann verstehen, wenn man lieber zur Flasche greift. Das Stillen kann weh tun, kann einem die Eigenständigkeit nehmen... ist nicht jedermanns (frau) Sache. Dafür sollte sich keiner schämen. Genauso wenig, wenn man halt länger als die Norm stillt.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Erfahrungsbericht ein wenig helfen konnte. Gern beantworte ich eure Fragen!



Kommentare:

  1. Ein toller Bericht! Nur das mit dem Schämen nicht. Das Problem haben die anderen, du machst alles richtig, lass dich nicht verunsichern. Ich dachte auch immer, bis zu einem Jahr wird gestillt und dann nicht mehr. Er hat in ein paar Tagen Geburtstag und vor allem nachts ist noch kein Stillende in Sicht. Und es ist sooo bequem und gemütlich, nachts nicht extra aufstehen zu müssen, wenn der kleine Hunger kommt. Auch zum Mittagsschlaf wird er noch gestillt. Außerdem ist er sehr oft krank, wenn er dann eine Banane am Tag ist, ist das viel. Da bin ich froh um die Milch, die er noch zusätzlich bekommt.
    Jetzt ist relativ zeitnah Baby Nummer 2 geplant. Entweder er stillt sich in der Schwangerschft selbst ab oder er hält den Milchfluss halt am Laufen und Mini Nummer 2 muss nach der Geburt nicht so lange hungern wie er selbst. ;)
    Mach weiter so! Es ist immer das richtig, womit sich alle Beteiligten wohl fühlen.

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    1. Vielen Dank für die lieben und bestärkenden Worte!

      Und toi toi toi für Baby 2!!!

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  2. Erst mal muss ich sagen, dass ich es wirklich TRAURIG finde, dass es jemand nur ansatzweise als merkwürdig finden könnte, dass du deine 16 Monate alte Lotte noch stillst. Das ist das Natürlichste der Welt und für dich und dein Kind eine besondere Verbindung.
    Ich habe zwar selbst noch keine Kinder, aber denke, dass ich mich auch schämen würde, wenn die Leute so auf das reagieren würden. Ich muss dir deshalb echt sagen, dass du das absolut Beste für dein Kind machst und die Meinungen der anderen ignorieren sollst. Man wird ja auch nicht immer zu Meinung bezüglich deren Lebensstiles gefragt.

    WEITER SO :)!!!!!

    Viele Grüße,
    Vroni
    PS: Vielleicht hast du schon "The Eades Family" auf Instagram gesehen, aber diese Mama hat 4 Kinder und stillt auch noch alle vier (!!) :) obwohl die älteste auch schon 5 ist (denke ich).

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    1. Die Reaktionen sind wirklich zu 90% wie beschrieben... Leider...

      Danke für de Tipp, da muss ich mal stöbern gehen!

      Liebe Grüße!

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  3. Ihr seid eine ganz tolle Familie und ihr macht das genau richtig für euch. Solange ihr glücklich seid, ist es nichts, worüber man sich schämen müsste. Ich bekam ein bisschen Pipi in den Augen, da es mich traurig macht, wenn sich jemand schämt etwas zu tun, was nur in der Natur liegt und dem Kind zugute kommt, aber ich bin im Moment eh ein wenig zu nah am Wasser gebaut und denke, dass du eine starke Frau bist mit einem tollen Mann, der dir den Rücken stärkt und du tief in deinem inneren weist, dass es da nichts gibt, worüber man sich schämen muss. Ein toller Bericht von dir, so wie alle deine Berichte.

    Lilablaue Grüße Nix ♥

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  4. Ich habe meinen Sohn einige Tage nach dem 2. Geburtstag abgestillt und das obwohl ich eigentlich niiiiiieeeee stillen wollte. ;-)
    Aber nach der Geburt wollte ich es einfach mal ausprobieren und es klappte gut. Außerdem empfand ich die Nähe zum Baby so schön, dass ich mich dann umentschied. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich irgendwann mal ein Kleinkind stillen würde. Aber ich würde es immer wieder so machen und bin froh um die 2 Jahre Stillzeit. Und Sohn hat übrigens nie Pulvermilch gebraucht und darüber bin ich recht froh. Viele früher abgestillten Kinder in unserem Freundeskreis bekommen auch jetzt noch abends und morgens ihr Fläschchen. Das Abgewöhnen scheint einfach schwieriger, obwohl das ja gerne vom Stillen behauptet wird ;)

    Aber ich sehe es auch so: Jeder muss das für sich selbst entscheiden.

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    1. Ja, das denke ich auch... jeder so , wie er sich am wohlsten fühlt :D

      Lustig, dass du auch eine niiieeeee Stillende warst ;)

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  5. Hallo :-) Jetzt möchte ich auch mal was schreiben :-) Du sprichst mir aus der Seele, unsere kleine ist jetzt ja 15 Monate alt und ich bekomme sie nur zum schlafen, wenn ich sie stillen. ich stille sie nur zum einschlafen, mittags und abends. So kann ich sie leider nicht hinlegen.

    Aber ich kann jetzt auch schonmal abends weg gehen, mal mit einer Freundin nett essen gehen oder was trinken gehen, das war das erste Jahr garnicht möglich.

    Mein Mann schafft es dann auch, sie wieder zum schlafen zu bringen :-)

    Aber wenn ich erzähle, das ich meine Tochter auch noch stille, werde ich auch sehr oft `´schief`` angeguckt, sie nimmt ja auch keinen Schnuller, der Schnuller bin ich ;-)

    Aber hin und wieder denke ich auch, wäre auch mal ganz nett, wenn die ``stillerei`` jetzt mal so langsam zu ende ist.
    Ich finde das toll und geniesse die Zeit auch sehr, wenn wir zusammen im Bett liegen. Abends bekommt sie eine Flasche, manchmal wird die auch ganz ausgetrunken.

    Aber ohne ``Einschlafstillen`` läuft da leider nichts

    Ganz liebe Grüsse Kerstin

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  6. Du weißt ja sicher längst, dass du als Langzeitstillerin nicht alleine bist, obwohl es sich sicher manchmal so anfühlt. Ich stille meinen 19 Monate alten Stilljunkie auch noch, und auch in der Öffentlichkeit. Diese "Oh, du stillst noch???"-Kommentare kenne ich, negative Kommentare habe ich aber noch nicht gehört. (Da soll mal einer kommen....!) Mein Kind ist ein Mensch und kein Kalb, und bekommt Menschenmilch statt Kuhmilch. DAS ist das Normale, nur in unserer Gesellschaft halt nicht. In der Mongolei würdest du die Schulter geklopft bekommen für das "lange" Stillen, und bestätigt werden, dass das deinem Kind gut tut. Auch deutlich über 16 Monate hinaus.
    Ich stille übrigens auch gerade in der Öffentlichkeit, beim Kinderturnen z.B., weil ich finde, dass es normal werden sollte, ein Kleinkind zu stillen, und das gerade nicht zwangsweise hinter verschlossenen Türen stattfinden muss. Ich ziehe mich zwar etwas zurück, aber verstecke mich nicht, auch nicht hinter einem Tuch. Wer genauer hinguckt, weiß was wir da tun. Ich wünsche mir, dass ein gestilltes Kleinkind ein völlig normaler Anblick wird. Weil es völlig normal IST.

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  7. also ehrlich, ich bin neidisch das du noch stillst ;)
    leider klappte es ja nur 2 wochen bei mir.
    und wie lang du sie stillst bzw. sie deine brust möchte. ist doch ganz allein euer ding.
    das es dir peinlich ist tut mir leid. :(
    mein plan (in der ss), war - so lange zu stillen, wie die kleine möchte.
    daher versteh ich das mehr als gut, auch wenn ich echt kurz an diesem geschenk der natur teilhaben durfte.
    also macht weiter, so lang es läuft =D (das kann man nun doppeldeutig sehen haha)

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    1. Schade, dass es nicht so geklappt hat bei euch. Über den letzten Satz musste ich sehr lachen ;)

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  8. Ich bin eine sonst stille Mitleserin und möchte mich heute mal zu Wort melden, wen. Auch etwas spät.
    Mein Sohn ist 13 Monate und wir stillen noch bis zu drei Mal nachts (abends vorm einschlafen, einmal in der Nacht und morgens vorm Aufstehen) und ab und zu auch vorm Mittagsschlaf. Ich bekam auch schon einige schiefe Blicke, aber vor allem die Kinderärztin unterstützt mich. Sie findet es toll und meint, dass es das Beste für den Kleinen ist. Zumal er zweieinhalb Monate zu früh kam und eigentlich noch nicht mal ein Jahr alt wäre. Ich bin auch über jede zusätzliche Kalorie, die er zu sich nimmt froh, da er sehr zierlich ist.
    Außerdem tut es uns beiden gut. Wir genießen die Nähe. Mit den Still-BHs und Stilleinlagen geht es mir genauso - werden nicht mehr benötigt.
    Ich bin gespannt, wie sich das Ganze mit dem Kita-und Berufseinstieg im August ändert. Mal sehen, ob das irgendwelche Auswirkungen aufs Stillen hat. Abstillen will ich in der Zeit nicht. Die Umstellung ist ja so schon groß genug.
    Dieser Artikel ist echt toll, wie euer gesamter Blog. Macht weiter so.

    Lisa

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  9. Dann wünsche ich euch, dass ihr noch ein Weilchen stillen könnt. Selbst nach dem Vollzeit Berufswiedereinstieg klappte es bei uns noch super!

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  10. Hallo, ich bin ganz neu auf deiner Seite und werde erst einmal viel zu lesen haben. Ich bin zur Zeit in der 28. Woche und lese einfach super gerne wie andere Muttis alles erlebt haben.
    Über das Stillen habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich sage zwar jetzt das ich gerne stillen möchte und so weiter, aber wie es am Ende sein wird werden wir dann sehen.

    LG Adriana

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    1. Schön, dass du UNS gefunden hast ;) Alles Liebe!

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  11. Liebe Lotte-Mama,
    vielen Dank für den tollen Artikel! Unsere Tochter ist jetzt 3,5 Monate alt und der Weg zum Vollstillen war lang und mühsam. Vor der Geburt dachte ich ebenfalls, dass ich 6 Monate stille und dann mal gucken. Ich dachte das macht man so und fand Langzeitstillen etwas befremdlich. Früher hätte ich vielleicht auch komisch geguckt - weil ich es nicht besser wusste (und trotzdem meinte, es besser zu wissen ;-) ) Stilltücher sind super! Können sich die anderen vor die Nase hängen wenn sie das merkwürdig finden. Wir haben auch vor, lange zu stillen, halt wie es uns beiden passt. Zum Glück habe ich aber auch eine große Klappe :-) Ich fange ebenfalls wieder an Vollzeit zu arbeiten wenn unsere Tochter 7 Monate alt ist, vor der Geburt hab ich mir das alles so einfach vorgestellt. Jetzt hab ich doch ein wenig Bammel... Magst du vielleicht berichten, wie das bei euch funktioniert hat und in der Praxis aussah?
    Ansonsten: weiter so! :-)

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    1. Danke dir!

      Bei uns hat es prima geklappt und klappt immer noch. Lottchen wird morgens, abends und nachts gestillt. Und wenn ich da bin bei Bedarf :D

      Viel Erfolg!!!

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